„Mama kann ich was zu essen haben?“ „Mama, kannst du mir bitte das oder jenes geben?“ „Mama, kann ich was Süßes haben?“ „Mama, wo ist …?“ „Mama!“ „Mama!“ „Mamaaaaaa!“
Kennst du das? Ich auf jeden Fall! Das ging früher den ganzen langen Tag so. Heute höre ich diese Sätze immer noch, aber bei Weitem nicht mehr so oft wie früher. Außerdem muss ich auch nicht immer reagieren. Meist reicht ein kleiner Hinweis, dass sie es doch auch einfach selbst machen können. Aber wie kommt man dahin? Wie werden Kinder selbständiger?

Eines vorweg, Kinder werden nicht über Nacht selbständig. Es wird eine ganze Zeit lang dauern, bis unsere Kinder unabhängiger werden und die einzelnen Schritte bis dorthin gelernt haben. Aber irgendwann wirst du während eurer Mahlzeiten endlich auch mal sitzen können. Außerdem bereitest du deine Kinder auf ihren Auszug als Erwachsene vor.

Mit Kindern kochen
Selbstständigkeit von Kindern fördern

1. Kann mein Kind die gewünschte Sache selbst holen? Wenn nein, warum nicht?

Ganz häufig fragen Kinder einfach schon aus Gewohnheit nach Sachen, die sie auch selbst holen könnten. Und wir springen auf und holen die Sache, meist auch schon aus Gewohnheit. Es fängt also erst einmal im Kopf an. Frage dich bei den Sachen, die deine Kinder erfragen, können sie es auch einfach selbst holen? Und wenn nicht, warum denn eigentlich nicht?

So kannst du dein Zuhause Stück für Stück umräumen, um deinen Kindern mehr Selbständigkeit zu ermöglichen. Eine kleine Kanne Wasser auf einem unteren Regal oder auf einem niedrigen Tisch, und schon kann dein Kind sich selbst Wasser einschenken, auch wenn es noch nicht an den Wasserhahn rankommt.

Ein eigenes Kinderregal oder eine Kinderschublade mit Besteck, Geschirr und Gläsern hat ebenfalls viele Vorteile. So können deine Kinder beim Tisch decken helfen, sich selbst einen kleinen Snack machen und auch beim Ausräumen des Geschirrspülers helfen. Wenn man dann noch ein paar Tücher dazu packt, können auch kleine Missgeschicke selbst aufgewischt werden.

Ein Hocker ist Segen und Fluch zugleich, zumindest in unserem Haus. Mit einem Hocker erreichen auch kleine Kinder schon fast alle Ecken des Hauses. Gerade beim Händewaschen hilft ein Hocker ungemein. Leider bleiben bei uns die Hocker auch immer überall stehen. Und wer fällt ständig drüber? Moi!

Kinder alleine machen lassen
Kinderschublade in der Küche

2. Sage: „Mach es bitte selbst!“

Mir ist klar, dass es oft einfach schneller geht, wenn du als Mama die Sachen in die Hand nimmst. Oft dauern Tätigkeiten bei Kindern doppelt oder gar dreifach solange. Von den ewigen Erklärungen davor und dabei will ich erst gar nicht anfangen. Trotzdem lohnt es sich durchzuhalten und die Kinder einfach mal selbst machen zu lassen. Dadurch haben sie erst die Möglichkeit, sich in Tätigkeiten zu üben. Kein Kind kann von heute auf morgen den Tisch wischen, die Krümel darunter wegkehren und ein neues Tischtuch auflegen, wenn es die einzelnen Tätigkeiten und Schritte dahin nie üben konnte. Da hilft nur Zähne zusammenbeißen und den manchmal doch recht ungeschickt anmutenden Versuchen zuzusehen.

Wenn ein Kind auch mal etwas selbst suchen muss, lernt es Geduld aufzubringen. Auch das ist ein weiterer Schritt in die Unabhängigkeit. Lass dein Kind also ruhig mal den Käse für Abendessen selbst im Kühlschrank suchen.

Kinder helfen in der Küche
Spülmaschine ausräumen

3. Die Snack-Sucht eindämmen

Ich weiß ja nicht, wie es bei euch zu Hause ist, aber meine Kinder wollen ständig irgendetwas zu essen. Hier ein Keks, da einen Apfel oder einen Joghurt. Es wird hier eigentlich ständig nach etwas zu essen gefragt. Manchmal kommen sie direkt nach einer Mahlzeit damit. Wichtig ist also erst mal, dass sie sich bei den Mahlzeiten auch wirklich satt essen. Mittlerweile habe ich feste Zeitfenster für Mahlzeiten und Snacks. 45 Minuten vor und nach einer Mahlzeit gibt es keine Snacks. So stelle ich sicher, dass sie auch wirklich hungrig an den Tisch kommen und nicht auf den Snack danach warten, um den ungeliebten Brokkoli zu umschiffen.

Wenn du mehrere Kinder hast, macht es durchaus Sinn, einen gemeinsamen Snack einzunehmen. Ansonsten läufst du Gefahr, von einem Kind zum anderen zu rennen. Kaum ist eines satt, will das nächste Kind etwas zum Futtern. Sei effizient und erledige alles in einem Aufwasch!

Noch besser ist eine Snackschublade im Kühlschrank. Diese Idee habe ich bei einigen amerikanischen Blogs gesehen, die fertig portioniertes Obst und Gemüse bereitstellen. Dazu kommen noch hart gekochte Eier, fertige Sandwiches, Joghurt und Cracker. Diese Idee habe ich bisher noch nicht selbst ausprobiert, das steht aber fest auf meiner To-do-Liste.

4. Mach Aufräumen zu einer Voraussetzung

Meine Kinder sind Meister darin, sehr kreativ mit ihren Spielsachen zu spielen. Beim Aufräumen sind sie dagegen eher weniger meisterlich. Da bleibt eigentlich immer alles liegen und es wird einfach zum Nächsten übergegangen. Um nicht abends im Chaos zu versinken, haben wir das Aufräumen zu einer Voraussetzung gemacht. Immer wenn etwas Neues angefangen wird, bevor es einen Snack gibt oder wenn ich etwas für meine Kinder tun soll, dann muss vorher aufgeräumt werden. Sonst gibts einfach nichts. So einfach ist das hier im Hause Weigel.

„Mama, darf ich zu meiner Freundin gehen!“
„Dann musst du aber vorher erst aufräumen.“

Du wirst sehen, wie schnell die Kids plötzlich aufräumen können, wenn sie von etwas motiviert sind, das sie jetzt gerade haben wollen.

5. Zeig deinen Kindern, wie man einen Tisch deckt und danach abwischt

Tischdecken, abwischen und unter dem Tisch kehren, ist bei uns mittlerweile Kindersache. Das können auch schon recht kleine Kinder erledigen, wenn die Voraussetzungen dafür geschaffen wurden (Siehe Punkt 1).

Wenn für die Mahlzeiten schon alles auf dem Tisch steht, muss auch niemand mehr aufstehen und Sachen holen, die vergessen wurden. Eine kleine Checkliste für größere Kinder kann da hilfreich sein. Wie viele Teller brauchen wir? Wie viele Messer, Gabeln und Gläser werden gebraucht? Da werden auch gleich mathematische Fähigkeiten mitgeschult.

Tisch abwischen und darunter kehren motiviert die Kinder etwas anständiger zu essen. Schließlich müssen sie ihren eigenen Dreck später wieder wegmachen.

Spülen lernen

6. Bestimmt einen Familienkellner

Das klingt jetzt erst einmal befremdlich. Aber lass dich einmal auf das Gedankenspiel ein. Bestimmt ein Familienmitglied, optimalerweise ein Kind, das für eine Mahlzeit lang den Familienkellner spielt. Der Kellner holt alle Sachen, die trotz Tischdienst vergessen wurden. So muss nicht immer ein Elternteil aufstehen und die Sachen bringen und es steht auch immer nur einer auf. Das ständige Gerenne vom Tisch weg beschränkt sich so nur noch auf eine Person. Und wenn ihr diesen Job dann regelmäßig durchwechselt, fühlt sich auch keiner benachteiligt oder ausgenutzt.

7. Habe ein Frühstücksbuffet

Ein Frühstücksbuffet klingt super, oder? Leider ist es nicht für dich. Na ja schon, aber nur indirekt. Wenn du schon größere Kinder hast, die morgens alleine aufstehen, kannst du dir mit einem vorbereiteten „Frühstücksbuffet“ am Wochenende eine Extrarunde Schlaf erkaufen.

Das heißt jetzt nicht, dass du ein hotelreifes Buffet aufbauen musst. Ganz im Gegenteil! Wichtig ist nur der Selbstbedienungsteil! Wenn deine Kinder selbst in der Lage sind, sich Frühstück zu machen, weil sie an ihr Geschirr rankommen (siehe Punkt 1) und es auch schon mal unter Anleitung selbst gemacht haben (siehe Punkt 2), dann stehen die Chancen ganz gut, dass sie dich morgens einfach mal noch eine Runde schlafen lassen.

Und? Klingt das gut? Oder klingt das gut?

Dazu braucht es eigentlich nicht viel. Ein Müslispendespender und eine Kanne Milch im unteren Fach des Kühlschranks reichen da schon aus. Du kannst aber auch eine Frühstücksschublade oder ein kleines Frühstücksregal einrichten. Meine Kinder sind 10, 5 und 2 und kriegen das morgens tatsächlich schon sehr gut geregelt. Da wir keine Bäcker am Ort haben, kriegen wir unsere Brötchen und Brezel vor die Haustür geliefert. Kyara ist da durchaus schon in der Lage, eine Runde Brötchen oder Butterbrezel für alle zu schmieren.

8. Nutze Kisten mit Schildern für die Spielsachen

Um deinen Kindern das selbständige Aufräumen zu erleichtern, brauchst du Spielzeugkisten mit Schildern. Kinder sind von ihrem eigenen Chaos meist so überfordert, dass sie es auch mit den besten Absichten nicht mehr schaffen, es aufzuräumen. Große und plakative Schilder setzen da klare Leitlinien und unterstützen so das Aufräumen.

9. Setze klare Erwartungen

Der neunte Punkt ist auch einer der wichtigsten Punkte. Setze ganz klare Erwartungen und teile diese deutlich, bestimmt und trotzdem freundlich mit. Kinder müssen wissen, was von ihnen konkret erwartet wird. Und das vor allem, bevor die Tätigkeit überhaupt passiert ist. Soll das Kind beim Tisch abräumen helfen, muss es das schon wissen, bevor der Tisch abgeräumt wird. Nur so hat es überhaupt die Chance zu helfen.

Sätze wie: „Du hättest jetzt ruhig auch mal helfen können, den Tisch abzuräumen!“, nachdem der Tisch bereits abgeräumt ist, helfen dabei überhaupt nicht. Vor allem dann nicht, wenn das Kind überhaupt nicht wusste, dass von ihm erwartet wurde, dass es dabei helfen soll, den Tisch abzuräumen. Mit solchen negativen und destruktiven Kommentaren am Ende von Handlungen, die im Nachhinein auch gar nicht mehr veränderbar sind, zerstörst du nur den Spaß an der Sache. Dein Kind wird sicherlich das nächste Mal wieder nicht helfen, den Tisch abzuräumen. Da kannst du Gift drauf nehmen.

Das ganze Selbständigkeitsding soll weder eine Strafe sein noch nach einer Strafe aussehen. Deine Kinder sollen dagegen stolz sein auf das, was sie schon können! Sie sollen ihr Selbstbewusstsein aus ihren Fähigkeiten schöpfen und sehen, dass sie auch ohne große Hilfe schon Erwachsenen schon ganz schön viel zustande kriegen. Durch die Mithilfe im Haushalt werden Kinder zu vollwertigen Familienmitgliedern, die gebraucht werden und sich auch gebraucht fühlen, was ihrem Selbstbewusstsein einen gehörigen Schub geben wird.

Kinder selbst machen lassen
Kinder nicht mehr bedienen

Wenn du weitere Inspiration und Anregung zum Thema Familienleben und Familienstruktur suchst, dann schau mal hier und hier nach! Und auf meinem Instagram-Profil kannst du etwas von unserem Familienleben miterleben.

Wie verhilfst du deinen Kindern zu mehr Selbständigkeit? Hast du schon einen oder mehrere dieser Tipps ausprobiert? Wie lief es? Lass es uns in den Kommentaren wissen!

Lass es dir gut gehen!

Natalie

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